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Die Kirchen im 3. Reich

   
 

Das Verhältnis zwischen dem Nationalsozialismus und den Kirchen bestach zum Einen durch eine hohe Affinität, aber auch durch fundamentale Gegensätze. Alleine den Kirchen war es vergönnt sich dem weltanschaulichen Totalitarismus der Nationalsozialisten zu entziehen. Doch riefen diese nie zum Widerstand gegen das System auf. Einerseits misslang die Gleichschaltung, andererseits überwiegte die konservativ-nationale Grundhaltung der Geistlichkeit, wodurch diese immer wieder loyal zum Staat stand.
Vor der Machtergreifung der NSDAP unterschieden sich die beiden in Deutschland vorherrschenden Konfessionen in ihrer Auffassung über den Nationalsozialismus.
Im Protestantismus lehnte eine Minderheit den Nationalsozialismus aus theologischen oder politischen Gründen ab. Politische Gründe führten die religiösen Sozialisten an, die, links stehend, sich damit von allein innerhalb des kirchlichen Lagers disqualifizierten. Die theologische Kritik, angeführt durch Karl Barth, stellte der völkischen Bewegung die kirchliche Verkündigung entgegen. Damit schufen diese die Grundlagen der Bekennenden Kirche. Weiterhin gab es die Möglichkeit vom Standpunkt des kirchlichen Liberalismus heraus Kritik zu üben. Dies richtete sich auf einen Angriff des Nationalsozialismus auf Anstand und Sittlichkeit. Auch das Luthertum hatte die Möglichkeit mit den Thesen Luthers gegen die Nationalsozialisten ins Felde zu ziehen und damit sich gegen die Doktrin der Höherwertigkeit der germanischen Rasse und Moral zu bekennen. Denn die Herrschaft des Nationalsozialismus sollte sich ja auch über die Seelen der Bürger erstrecken. Es gab also durchaus Möglichkeiten sich dem Nationalsozialismus entgegenzustellen, wobei dies nur von einer Minderheit innerhalb der Kirchen in Anspruch genommen wurde.
Nachdem sich im Herbst 1933 bereits erste Verletzungen des Konkordats (siehe Katholische Kirche) häuften, entschieden sich die Bischöfe und der päpstliche Nuntius zur weiteren Zusammenarbeit mit dem Regime. Auch mussten beide Kirchen die Ernennung Alfred Rosenbergs zum Beauftragten des Führers für die "Überwachung der gesamten geistigen und weltanschaulichen Schulung und Erziehung der Partei und aller gleichgeschalteten Verbände" hinnehmen. Rosenberg, Verfasser des Buches "Der Mythos des 20. Jahrhunderts", war der Inbegriff aller kirchen- und christentumsfeindlichen Kräfte innerhalb der NSDAP. Dieser bezeichnete die Kirchen weiterhin als "Dunkelmänner unserer Zeit", was in der Folge zu scharfen Auseinandersetzungen führte.
Von 1935 bis zum Ende des 3. Reiches verschärften sich die Spannungen zwischen den Kirchen und dem nationalsozialistischen Regime stetig. Nachdem die Gleichschaltung von innen gescheitert war, verstärkte sich die staatspolitische Kontrolle und die propagandistischen Attacken aus den reihen der Partei und der SS. Durch die Verschärfung der Radikalität wuchs auch der Druck auf die Kirchen.
Dem Reichsminister für Raumordung, dem ehemaligen Justizkassenrendanten, Hans Kerrl, wurde nun auch noch die Leitung des neu errichteten Reichskirchenministeriums übertragen, womit sich kaum deutlicher die Distanzierung von den Kirchen unterstreichen ließ. Die treibenden Kräfte gegen die Kirchen wurden jedoch der Parteiideologe Alfred Rosenberg, Baldur von Schirach, Martin Bormann und Heinrich Himmler. Mit den Kampfschriften "An die Dunkelmänner unserer Zeit" von 1935 und "Protestantische Rompilger" von 1937, übertraf Rosenberg seine antikirchlichen Attacken seines Buches "Der Mythos des 20. Jahrhunderts" noch weiter und erklärte einhellig die Unvereinbarkeit von christlicher Tradition und dem Nationalsozialismus. Dadurch sahen sich die Kirchen aber auch im Gegensatz, zu einer systematischen Auseinandersetzung mit dem Regime gezwungen, die mit Kardinal Faulhabers Adentspredigten von 1933 ihren Anfang genommen hatten.
Zunächst war man der Meinung, bei Rosenberg handelte es sich um einen ideologischen Einzelkämpfer, doch ab 1935 nutzte Rosenberg die in millionenfacher Auflage verbreiteten "Schulungsbriefe" zum systematischen Angriff auf die Kirchen, dabei im Besonderen die Katholische Kirche. So schrieb Rosenberg bspw. in einem Notizbuch, das es unzweckmäßig sei den Kardinal Faulhaber einzusperren, man müsse  vielmehr eine Atmosphäre schaffen, in der das Volk um ihn und seinesgleichen einen Bogen machen müsse. Zu diesem Zweck erfolgten zahlreiche öffentliche Prozesse gegen Priester aufgrund fingierter devisenrechtlicher und sittlicher Vergehen. Die Gestapo zog von Kloster zu Kloster und unterzog dort jeden einem eingehenden Verhör, schrieb der Domvikar W. Adolph im Juni 1937. Die Aktionen erfolgten unter der Faustregel "jeden Mönch mit einem Sittlichkeitsverbrecher gleichzusetzen". Ziel sollte es sein so viele Geistliche wie möglich zu belasten, ob die Vorwürfe stimmten oder nicht.
Beide Kirchen betrachteten die neuesten Entwicklungen mit Sorge und Beunruhigung.  Noch waren sie sich nicht sicher inwieweit die antikirchlichen Kampagnen offiziellen, staatlichen Charakter hatten und gaben sich so der Hoffnung hin, durch einen Appell an Hitler das "Schlimmste" verhindern zu können. So schrieben führende Kirchenleute am 10.04.1935 an Hitler "Es ist im deutschen Volk dahin gekommen, dass die Ehre deutscher Staatsbürger in den Staub getreten wird, weil sie Christen sind. ... Daher wenden wir uns an Sie ... als den Beschützer der deutschen Ehre nach innen und außen.". Ähnlich klang die Denkschrift katholischer Bischöfe vier Monate später: "Es hat zuweilen den Anschein, als hätten die Katholiken in Deutschland überhaupt keinen Anspruch mehr auf Ehrenschutz und Gerechtigkeit.". Das die Kirchen gerade Hitler, als Reichskanzler, an seine Versprechen von März 1933 erinnerten, zeigt wie uneindeutig die politischen Grenzen zu jener Zeit verliefen und wie verwirrend die Rollenverteilung im Mächtespiel des Regimes gesehen wurden.
Im Mai 1936 ging eine weitere Denkschrift der Vorläufigen Kirchenleitung der Bekennenden Kirche, über die Grenzen der Verteidigung unmittelbar kirchlicher Interessen hinaus und sprach sich gegen die Rassenpolitik des Reiches aus, ebenso wie gegen die Entrechtung durch Schutzhaft und Gestapowillkür. Etwa 3/4 aller preußischen Priester der Bekennenden Kirche hatten den Mut diese Kritik am 3. Reich von der Kanzel aus zu verlesen. Anfang 1937 entschloss sich dann auch die Katholische Kirche zu einem öffentlichen Wort gegen die Politik des 3. Reiches. So war in dieser Enzyklika die Rede von "Vernichtungskampf" und von mehr oder weniger "öffentlichen Vertragsverletzungen". Die Gestapo beschlagnahmte zwar sofort sämtliche Exemplare der sie habhaft werden konnte, doch verhinderte dies nicht die Verbreitung, zumal sie bereits von den Kanzeln aller katholischen Kirchen verlesen worden war.
Diese erste schwere Auseinandersetzung der Jahre 1933 bis 1936 führte im Jahr 1937 zu einer kurzzeitigen Beruhigung. Eine Entscheidung über die Lage der Kirchen, wurde zunächst vertragt auf die zeit nach einem erfolgreichen Krieg. Bis dahin beschränkte man sich auf Schikanen, Verbote und Verhaftungen profilierter Kirchenführer, wie etwa die Einweisung Martin Niemöllers in ein KZ und auf ein Rede- und Schreibeverbot, wie bei dem Theologen Dietrich Bonhoeffer der Bekennenden Kirche.
Wie sich die Machthaber die Zukunft vorstellten, zeigte sich insbesondere dort, wo eine Rücksicht auf das Konkordat und andere Hemmnisse agieren konnten, wie bspw. in Österreich und den später besetzten Gebieten. Dort versuchte insbesondere Bormann die Kirchen auf den Charakter privater Vereine zu reduzieren, die zu gegebener Zeit liquidiert werden konnten.
Zwar war eine "Lösung" verschoben worden, doch im Juni 1941 schrieb Bormann an die Gauleiter, das Christentum und Nationalsozialismus unvereinbar waren. Erst wenn der Einfluss der Kirchen gebrochen war, könne die nationalistische Idee den Volksgenossen erreichen. Ähnliche Ideen wurden auch von der SS getragen, die die Kirchen als die Marxisten und Spartakisten von 1918 ansah.
Als im Dezember 1941 der Reichskirchenminister Kerrl verstarb, wurde kein Nachfolger ernannt. Hitler vermied es, sich der Kirchenfrage zu stellen, da sich bspw. 1940 anlässlich einer Volkszählung ca. 95% der Bevölkerung für die Kirchen aussprachen. Ein potential das nicht unnötig in Unruhe gebracht werden durfte. Damit wurde weder der vorsichtige Repressionskurs Kerrls fortgeführt, noch die radikalen Vorstellungen Bormanns verwirklicht. Eine Entscheidung stand also noch bevor. Bis zum Ende des 3. Reiches blieb also dieser Zwischenzustand bestehen. Dies hatte auch die mehrschichtige Zertrennung innerhalb der Gläubigen von der Bereitschaft zur Anpassung, über breite Verweigerung bis hin zum aktiven Widerstand zur Folge.

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