»An die Maschinen, an die Maschinen ... !
«, mit diesem Refrain ihres Liedes marschierten die deutschen
Fallschirmjäger über die Flugplätze, um ihre Transportflugzeuge zu besteigen,
doch nicht von ihren in die Kriegsgeschichte eingegangenen Luftunternehmen und
Sprungeinsätzen in Norwegen, Holland, Belgien, Griechenland, Kreta und Italien
soll hier berichtet werden, sondern darüber, wie die Fallschirmjäger vom
Himmel sprangen, von ihrem Sprung in die Tiefe, der allein schon Mut genug
erforderte
da war zunächst der Fallschirm, schon vom
sorgfältigen Packen hing das Leben des Springers ab, jeder Fallschirmjäger
musste daher grundsätzlich seinen Schirm selbst packen, dies geschah zu zweit:
»Packer« und »Helfer« wirkten nach Vorschrift zusammen
nach mehrjährigen Versuchen und Erprobungen bei
der Fallschirmerprobungsstelle in Stendal wurde nach den Rettungsfallschirmen
in der Zivilluftfahrt ein sicherer Schirm für militärische Zwecke entwickelt,
über den die deutsche Fallschirmtruppe bei Kriegsbeginn verfügte, es war dies
der Rundkappenschirm des Baumusters RZ 1 mit 28 Bahnen, einem Durchmesser von
8,5 m (Planfläche) und einem Flächeninhalt von 56 qm, die Sinkgeschwindigkeit
betrug je nach dem Körpergewicht des Springers 3-5 m/sec, der Schirm öffnete
sich automatisch nach einem Fall von etwa dreißig Metern, dieser Fallschirm,
als Rückenfallschirrn getragen, war in einem Verpackungssack gefaltet und
wurde durch eine Aufziehleine zwangsausgelöst, einen Reservefallschirm gab es
nicht, der RZ 1 besaß die unangenehme Eigenschaft, daß er zu starken
Pendelungen neigte und eine ziemlich hohe Sinkgeschwindigkeit hatte, er wurde
später durch die in Leinen und Verschlüssen verbesserten Muster RZ 16 und 20
abgelöst, während des Krieges wurde dann nach russischem Vorbild mit dem RZ 36
auch der erste Dreiecksfallschirm fertigentwickelt, er hatte den dreifachen
Vorteil eines geringen Entfaltungsstoßes, geringerer Pendelbewegung und
weicherer Landung, dieser Schirm war von Dipl.-Ing.
Schauenburg am 6.5.1943 zum Patent
eingereicht worden, kam aber bei der Truppe nicht mehr zum Einsatz, 1944 wurde noch ein Bänderfallschirm eingeführt,
rund 120.000 Sprungfallschirme waren ständig zentral gelagert und konnten nach
Bedarf ausgegeben werden, ebenso waren genügend Lastenfallschirme vorhanden
und so wurde gesprungen: Beim Einsteigen-
nachdem die Fallschirmjäger in Einzelreihe an die dreimotorigen
Transportmaschinen vom Typ Ju 52 heranmarschiert waren - hielten die Springer
bereits die am Verpackungssack befestigten Aufziehleinen zwischen den Zähnen,
um die Hände frei bewegen zu können, insgesamt hatten in einer Maschine zwölf
Fallschirmjäger (eine Gruppe) Platz, die sich auf Längsbänken mit
Anschnallvorrichtungen gegenübersaßen, dazu kamen noch der »Absetzer«,
der »Überwacher« und die vier Männer der Flugzeugbesatzung
(Flugzeugführer, Copilot, Funker und Mechaniker)
in der Nähe des Absprungraumes angekommen,
standen die Fallschirmjäger auf das Kommando des Absetzers »Fertigmachen!«
auf und hakten die Karabinerhaken am Ende der Aufziehleinen in das längs durch
den Flugzeugrumpf verlaufende dünne Drahtseil ein, (die Fangleinen des Schirms
endeten in zwei starken Haltetauen, die am Gurtzeug des Springers eingehakt
waren), nachdem der Absetzer »Fertig zum Sprung!« befohlen hatte, trat
der vorderste Springer in die offene Tür der Maschine, ertönte dann als
letztes Signal das Boschhorn mit seinem »Tuuut«, machte der erste
Fallschirmjäger einen Hechtsprung nach draußen, bei diesem Sprung zog er durch
sein Körpergewicht die Aufziehleinen straff, die den automatisch ausgelösten
Fallschirm aus dem Verpackungssack herauszogen, der dann mit den Leinen im
Flugzeug zurückblieb, nach dem Sprung fiel der Fallschirmjäger in einer
leichten Kurve vom Flugzeug weg, wobei die zurückgelegte freie Fallstrecke
etwa dreißig Meter betrug (Normalfall), dann hatte sich der Schirm in der
nächsten Sekunde völlig entfaltet und nachdem die Pendelbewegungen des
Springers aufgehört hatten, sank er am gänzlich entfalteten Fallschirm der
Erde entgegen
kaum war der erste Springer aus der Maschine,
folgte schon der zweite und dann rasch alle anderen, dicht
aufeinanderfolgendes Abspringen verhinderte nämlich eine zu weite Streuung der
Fallschirmjäger beim Landen und damit ein zeitraubendes Sammeln, im Flugzeug
zurück blieben nur die Besatzungen mit allen guten Wünschen für die
abgesprungenen Männer, gesprungen wurde bei einer gedrosselten Geschwindigkeit
der Maschinen von 160-180 km/h, die normale Absetzhöhe war 120 m über Grund,
als geringste Sprunghöhe galt 90 m, abgesetzt wurde so, daß nach sieben
Sekunden alle zwölf Soldaten einer Gruppe (später vierzehn) aus einer Maschine
heraus waren, Wind bedeutete ein Abtreiben der schwebenden Fallschirme, die je
nach Stärke und Richtung des Windes abdrifteten, dies musste bei der Wahl des
Absprungplatzes berücksichtigt werden, sonst kamen die Fallschirmjäger zu weit
von der vorgesehenen Aufsetzfläche herab, die Landepunkte der einzelnen
Springer lagen zwischen zwanzig und fünfzig Metern, gesprungen wurde nach
Möglichkeit nicht mehr, wenn die Windgeschwindigkeit über sechs m/sec lag,
denn dann waren auch die Verletzungsgefahren zu groß
und so wurde gelandet: Die Landung war nicht
immer ganz einfach, und dazu bedurfte es einer besonderen Übung und Technik,
am einfachsten war es bei Windstille, dann fiel der Schirm gleich in sich
zusammen und der Fallschirmjäger konnte sich schnell durch einige Handgriffe
am automatischen Drehverschluß des Gurtzeuges entledigen, die
Windgeschwindigkeit spielte bei der Landung überhaupt eine wesentliche Rolle,
zusammen mit dem Pendeln am Schirm konnte sie zu harten Landungen mit
erheblichen Verletzungen führen, bei der Landung musste der Springer deshalb
möglichst mit dem Wind von vorn oder im Rücken auf der Erde aufsetzen, also in
den Wind »eindrehen«, den Aufschlag auf der Erde versuchte er durch
Abrollen nach vorn oder rückwärts zu mindern und musste dann versuchen, durch
eine ruckartige Bewegung wieder auf die Beine zu kommen, gelang ihm dies, dann
rannte er seitlich am Fallschirm vorbei (»unterlaufen«) und zog die
Rundschirmkappe nach der Seite weg, der Schirm fiel dann langsam in sich
zusammen und der Springer konnte sich nun von den Gurten lösen, fasste bei
starker Luftströmung der Wind noch während der Landung den Schirm, kam es zu
einer längeren Schleiffahrt über die Erde, die meist erst dann endete, wenn,
sich der Schirm an irgendeinem Hindernis verfing, besonders schwierig wurde
es, wenn die Springer auf exponierten Stellen wie hohen Bäumen, Hausdächern,
Leitungsmasten usw. herabkamen und oft, erst von Kameraden aus ihrer
misslichen Lage befreit werden mussten, ein Niedergehen über See- und
Sumpfgebieten verlief meist tödlich, da sich die Springer nicht mehr
rechtzeitig vom Gurtzeug befreien konnten, die Zahl der Sprungverletzten
betrug gewöhnlich zwei bis drei Prozent, meist waren es Knochenbrüche und
Fußverletzungen, tödliche Unfälle waren dagegen äußerst selten, bei den
Fallschirmjägern ging der sarkastische Spruch um, daß bei Nichtöffnen des
Schirmes dieser auf der Kammer umgetauscht werden könnte, erst wenn die
Fallschirmjäger, oft auch schon am Schirm beschossen, heil gelandet waren,
sich gesammelt und ihre ebenfalls an Fallschirmen abgeworfenen Waffenbehälter
geborgen hatten, konnten sie den Kampf aufnehmen